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Besonders tückisch ist die Wippe

Besonders tückisch ist die Wippe
Besonders tückisch ist die Wippe
Auf dem Rollstuhlparcours Hindernisse wahrnehmen © D. Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt

MIT ROLLSTUHLPARCOURS UND FÜHLMEMORY ZU MEHR INKLUSION

Als tückisch erweist sich der enge Winkel auf der hölzernen Rampe – und die Wippe ist auch nicht ohne! Wer an diesem Donnerstag, 30. August, durch die Frankfurter Fußgängerzone am Liebfrauenberg flaniert, wird unweigerlich angezogen von Lachen, Rufen, Anfeuern und so manch unterdrücktem Fluch. Neben der katholischen Informationsstelle punctum ist ein Rollstuhlparcours aufgebaut. Jeder, der mag, kann in einem Rolli Platz nehmen und ein Rennen gegen die Uhr starten, über Kabelbrücken und andere Unebenheiten, über Stufen und eine rechtwinklige Rampe und eben über jene Wippe, die ganz schön Kraft kostet, damit man nicht gleich wieder rückwärts runterrollt.

„Überhaupt erstmal mit allen Rädern die Auffahrt treffen, das ist eine Kunst“, lacht Heidrun Rehner, die sich unerschrocken auf den Parcours wagt: „Früher musste ich meine Mutter oft im Rollstuhl schieben.“ Das war schon schwer, wie sie sagt, aber selbst mit dem unhandlichen Gefährt enge Passagen und Steigungen bewältigen, das ist eben noch einmal ganz anders. „Hut ab, wer das schafft“, sagt sie nach der zweiten Runde.

© D. Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt
© D. Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt
© D. Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt
© D. Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt
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Der Rollstuhlparcours

 

STEINE IM WEG DER ROLLSTUHLFAHRER

Ähnlich empfindet es auch eine junge Mutter, die kurzerhand ihr Baby beim Vater lässt und sich in den Rolli setzt. Auch sie hat die größten Schwierigkeiten beim Verlagern des Gewichtes auf der Wippe. Andreas Schneider schmunzelt ein bisschen. Der Mitarbeiter der Projektstelle Inklusion im Bistum Limburg sitzt von Kindheit an im Rollstuhl. Für ihn ist der Parcours, der in dieser Ausführung auf dem Frankfurter Liebfrauenberg Premiere hat, ein Leichtes.

„Und genau darauf kommt es an“, erzählt der zuständige Referent, David Heun. Die Leute sollen nicht vor Mitleid zerfließen, sondern ganz nüchtern die Steine erkennen, die die Gesellschaft Rollstuhlfahrern in den Weg legt. Denn erst wer die täglichen Barrieren einmal selbst erlebe, könne ansatzweise ermessen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen oftmals von der Stadtplanung und der Gedankenlosigkeit anderer stärker behindert werden als von ihrer Behinderung selbst. „Und bei unserem Parcours sind die Rolli-Fahrer eindeutig im Vorteil“, lacht er.

Aber an der Theke von punctum geht es an diesem Nachmittag nicht nur um flottes Rollstuhlfahren. Auch die Erfahrungen blinder und sehbehinderter Menschen kommen zur Sprache. Ein Memory zum Fühlen und dicke Brillen, die bewusst für schlechte Sicht sorgen, zaubert Heun aus seiner Inklusionskiste, Handfestes zum Spielen und Ausprobieren, damit die Besucher sich - für kurze Zeit wenigstens -  in Menschen mit Beeinträchtigungen einfühlen können. „Aber auch, damit sie sehen, auch mit Blinden kann ich Memory oder Mensch-ärgere-dich-nicht spielen", sagt Heuns Kollege Robin Steffen. Barrieren aus dem Weg räumen, Teilhabe ermöglichen, Menschen in das Leben einbeziehen, das sind die Ziele der Inklusionsstelle. Und dafür tourt David Heun mit seinem Team durch Gemeinden und Einrichtungen. Der Rollstuhlparcours und die Inklusionskisten können bei ihm auch ausgeliehen werden, damit Integration immer besser gelingt.